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Arbeitsmarkt nach Funktion
IT / Data in KW 42
Die Zahl der unbesetzten IT-Stellen hat sich seit 2023 fast halbiert, und so viele IT-Fachleute sind arbeitslos wie seit zehn Jahren nicht. Gesucht werden weiter Sicherheit, Datenbanken, SAP und Architektur, breite Entwicklerrollen verlieren deutlich.
Auf einen Blick
Für 2024 hat Bitkom keine Zahl erhoben. 78 % der Unternehmen sehen 2026 weiter einen Mangel an IT-Fachkräften, 2025 waren es 85 %. Befragt wurden Unternehmen ab drei Beschäftigten.
Quelle: Bitkom
373 % heißt: 373 % mehr Anzeigen als Anfang 2015, −42 % heißt 42 % weniger. Gegenüber dem 2. Quartal 2025 legten Datenbankentwickler um 88 Punkte zu und SAP-Entwickler um 59 Punkte, IT-Security verlor 90 Punkte.
Quelle: Hays
Quellen: Bitkom, Hays und Bundesagentur für Arbeit
Deutschland im Vergleich
In Deutschland arbeiteten 2025 rund 2,3 Millionen Menschen als IT-Fachkräfte, gut ein Fünftel aller in der EU. Ihr Anteil an allen Erwerbstätigen lag bei 5,5 %, etwas über dem EU-Schnitt von 5,0 %. Schweden, Luxemburg, Finnland und die Niederlande liegen deutlich höher.
In absoluten Zahlen arbeiten in Deutschland mit 2,3 Millionen die meisten IT-Fachkräfte der EU, in Frankreich 1,4 Millionen. Belgien kommt auf 5,9 %, Dänemark und Litauen auf je 5,7 %.
Quelle: Eurostat
Die EU will bis 2030 auf 20 Millionen IT-Fachkräfte kommen. Laut dem Bericht der Kommission zur digitalen Dekade vom Juni 2026 reicht das bisherige Tempo dafür nicht. Von 2015 bis 2025 wuchs ihre Zahl in der EU um 59,4 %, zuletzt aber langsamer.
Der deutsche Markt für IT und Telekommunikation wächst 2026 laut Bitkom um 4,1 % auf 246,4 Mrd. €, der Weltmarkt um 8,5 %. Die USA stehen für 41 % des Weltmarkts und wachsen um 12,7 %, Deutschland kommt auf 3,8 %.
Arbeit wandert nach Indien und Osteuropa
In Indien betreiben internationale Unternehmen laut Nasscom und Zinnov 2.117 eigene Zentren mit rund 2,36 Millionen Beschäftigten. Mehr als 1.200 davon arbeiten mit KI und maschinellem Lernen. Mehr als 80 deutsche Unternehmen beschäftigen in über 150 solcher Zentren mehr als 130.000 Fachkräfte. Die Zentren deutscher Mittelständler wuchsen in fünf Jahren um 108 %, zunehmend für Software, KI und Entwicklung.
Siemens vergibt die IT- und Softwareaufträge seiner Tochter Evosoft künftig nur noch an Standorte in Osteuropa oder an eigene Entwickler in Indien. Die deutschen Standorte mit 377 Beschäftigten schließen bis Ende 2027. Auch der IT-Dienstleister adesso wächst im Ausland schneller: Die Vollzeitstellen stiegen dort binnen eines Jahres um 16 %, im Inland um 4 %.
Zum Vergleich: USA
In den USA sollen die IT-Berufe von 2025 bis 2035 laut Bureau of Labor Statistics schneller wachsen als der Durchschnitt aller Berufe, mit rund 280.000 offenen Stellen im Jahr. Für Softwareentwickler, Qualitätssicherung und Tester erwartet die Behörde ein Plus von 10 %. Der Medianlohn der IT-Berufe lag im Mai 2025 bei 109.470 US-Dollar, der von Softwareentwicklern bei 135.980 US-Dollar.
Quellen: U.S. Bureau of Labor Statistics, Eurostat, Europäische Kommission, Bitkom und 4 weitere
Wer den Markt prägt
Die Digitalbranche ist mit 1,349 Millionen Erwerbstätigen Ende 2025 der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland. Bitkom erwartete im Januar für 2026 rund 11.000 Stellen mehr. Die großen IT-Dienstleister melden dagegen laut einer Erhebung von Lünendonk für 2025 erstmals seit über zwanzig Jahren weniger Beschäftigte, ein Minus von 0,6 %. Für 2026 rechnen sie nicht mit einem Anstieg.
- vorher
- nachher
Bechtle und adesso: 30.06.2025 und 30.06.2026. Cariad: 2023 und Oktober 2026, vor dem angekündigten Abbau von rund 1.000 weiteren Stellen. adesso wuchs im Ausland um 16 %, Bechtle nur durch Zukäufe im Ausland.
Quellen: Bechtle, adesso, Automobilwoche und dpa
Software und Plattformen
| Unternehmen | Maßnahme | Bereiche und Standorte | Weg | Stand |
|---|---|---|---|---|
| SAP | neue Beschäftigungssicherung bis Ende 2028 für die Dachgesellschaft; im Konzern kursieren Gerüchte über Stellenabbau | Deutschland, Sitz in Walldorf | bei Reorganisationen Stellenangebote in anderen Konzernbereichen, Weiterbildung, Gehalt bleibt; kein Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen | am 01.10.2026 bekanntgegeben; für die Vertriebsgesellschaft in Arbeit |
| Cariad (Volkswagen) | rund 1.000 von etwa 4.300 Stellen in Deutschland; IG Metall und Betriebsrat befürchten bis zu 1.600 | Fahrzeugsoftware für den VW-Konzern; Belegschaft 2023 noch 6.500 | Verhandlungen mit Betriebsrat; Mantel- und Entgelttarifvertrag gekündigt; laut IG Metall gilt der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2029 | angekündigt am 30.09.2026; rund 200 neue Stellen für KI-Spezialisten geplant |
| Siemens (Evosoft) | Schließung der deutschen Standorte, 377 Beschäftigte | Nürnberg und weitere Standorte, 340 Beschäftigte in Mittelfranken | Aufträge gehen an Evosoft in Ungarn, Rumänien und der Türkei und an Siemens-Entwickler in Indien | Schließung bis Ende 2027 |
SAP richtet sich auf KI aus. Finanzvorstand Dominik Asam sagte im Juli, SAP treibe den eigenen Umbau mit KI voran, um zugleich wirksamer und effizienter zu arbeiten. Cariad will die Arbeit konsequent auf den breiten Einsatz von KI ausrichten und die Kosten für Forschung und Entwicklung um rund 1 Mrd. € im Jahr senken.
IT-Dienstleister
| Unternehmen | Maßnahme | Bereiche und Standorte | Weg | Stand |
|---|---|---|---|---|
| Bechtle | 10.240 Beschäftigte in Deutschland, ein Jahr zuvor 10.435 | Konzern 16.418 Beschäftigte, Wachstum nur durch Zukäufe im Ausland; ohne Zukäufe minus 1,4 % | Einstellungen gezielt und nach Bedarf | 30.06.2026 |
| adesso | 11.515 Vollzeitstellen, 7 % mehr als ein Jahr zuvor | Inland 8.937 (plus 4 %), Ausland 2.578 (plus 16 %) | Auslastung seit Mitte des zweiten Quartals besser | 30.06.2026 |
| Interne IT-Dienstleister, etwa von Allianz, Sparkassen, Volksbanken und Bundeswehr | Umsatz 2025 im Schnitt 9,0 % höher | zehn größte mit über 52.000 Beschäftigten, darunter Allianz Technology mit rund 11.500, Atruvia mit rund 10.500 und BWI mit knapp 7.500 | IT-Modernisierung, Cloud, Cyber Security, KI-Agenten | Ranking vom 21.07.2026 |
Rechenzentren
Rechenzentren bringen hohe Investitionen, aber wenige Arbeitsplätze im Betrieb. Die Schwarz-Gruppe baut nahe Rostock für 5,6 Mrd. € ein Rechenzentrum mit 240 Megawatt bis 2033. Im Betrieb entstehen dort laut Unternehmen 120 Stellen für Hochqualifizierte. In Lübbenau investiert die Gruppe 11 Mrd. €. AWS plant in Brandenburg Investitionen von rund 7,8 Mrd. €, das Land erwartet in den kommenden Jahren bis zu 30 Mrd. € für Rechenzentren.
Quellen: Lünendonk, Bitkom, Bechtle, adesso und 8 weitere
Was den Markt verschiebt
Vorsichtige Budgets
Die Unternehmen investieren vorsichtiger. 23 % der ITK-Unternehmen wollen 2026 mehr investieren als im Vorjahr, 20 % weniger. Der Stellenmarktindex von Index Research lag im September 14 % unter dem Vorjahr, die IT-Branche legte gegenüber August um 1 % zu. Unter IT-Freelancern melden 56 % eine schlechtere Auftragslage als im Vorjahr.
Wachstum gibt es bei Cloud und KI. Cloud-Software soll 2026 um 21,9 % auf 42,5 Mrd. € zulegen, KI-Plattformen um 75,8 % auf 3,1 Mrd. €. Klassische IT-Services wachsen um 3,1 %.
KI-Plattformen setzen 2026 voraussichtlich 3,1 Mrd. € um, Cloud-Software 42,5 Mrd. €, Software insgesamt 58,1 Mrd. €. Der ITK-Markt insgesamt kommt auf 246,4 Mrd. €.
Quelle: Bitkom
KI in der IT
42 % der Unternehmen mit IT-Stellen setzen KI in der IT schon ein, weitere 36 % planen es. 55 % aller befragten Unternehmen erwarten, dass klassische Einstiegsaufgaben zunehmend wegfallen, 38 %, dass einzelne IT-Berufe weitgehend durch KI ersetzt werden. 32 % der Unternehmen mit IT-Stellen rechnen künftig mit einem Abbau von IT-Stellen durch KI, 65 % nicht.
Gefragt war, wie sich der Beruf von IT-Fachkräften durch KI in den kommenden Jahren verändert. Bisher haben 10 % der Unternehmen, die KI in der IT einsetzen, vereinzelt IT-Stellen abgebaut.
Quelle: Bitkom
Zugleich sucht der Markt KI-Wissen. Im zweiten Quartal 2026 verlangten fast 44.800 Stellenanzeigen KI-Kenntnisse, rund zwei Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Die meisten davon, knapp 13.100, richteten sich an Informatiker. Am häufigsten gefragt war maschinelles Lernen.
Sicherheit und Regulierung
Seit Dezember 2025 gilt das NIS-2-Umsetzungsgesetz. Bis Ende Juli 2026 haben sich mehr als 19.000 Einrichtungen beim BSI registriert, Destatis schätzte die Zahl der Betroffenen auf etwa 29.500. Zum Ablauf der ersten Frist im März waren es rund 11.500. Die internen IT-Dienstleister nennen Cyber Security als eines ihrer wichtigsten Investitionsfelder.
Termine
| Regel oder Ereignis | Termin | Was sich ändert | Stand |
|---|---|---|---|
| NIS-2-Umsetzungsgesetz | seit 06.12.2025; Nachfrist für die Registrierung bis 31.07.2026 | Betroffene Unternehmen, nach Schätzung von Destatis etwa 29.500, müssen strengere IT-Sicherheitspflichten erfüllen und sich beim BSI registrieren | mehr als 19.000 registriert; BSI behält sich Bußgelder vor |
| Cyber Resilience Act | seit 11.09.2026 und ab 11.12.2027 | Hersteller melden Schwachstellen und Sicherheitsvorfälle; ab Dezember 2027 müssen neue Produkte mit digitalen Elementen alle Vorgaben erfüllen | Meldepflicht in Kraft |
| KI-Verordnung, Hochrisiko-Systeme | 02.12.2027 und 02.08.2028 | Pflichten für eigenständige Hochrisiko-KI ab Dezember 2027, für KI in Produkten ab August 2028; ursprünglich ab August 2026 | Rat der EU hat am 29.06.2026 zugestimmt |
| Beschäftigungssicherung SAP | bis Ende 2028 | neue Regeln für Reorganisationen in der deutschen Dachgesellschaft; die alte Regelung läuft Ende 2026 aus | am 01.10.2026 bekanntgegeben |
| Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe bei Rostock | bis 2033 | Aufbau auf 240 Megawatt für 5,6 Mrd. € | angekündigt im August 2026 |
Quellen: Bitkom, Index Research, freelancermap, ZfK und 6 weitere
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