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Arbeitsmarkt nach Branche
Banken & Versicherungen in KW 42
Banken und Versicherer beschäftigen kaum mehr Menschen als vor einem Jahr, obwohl die Banken das dritte Jahr in Folge hohe Gewinne schreiben. Große Häuser wollen frei werdende Stellen nur teilweise nachbesetzen und setzen dafür auf KI.
Auf einen Blick
Die EZB zählt nach den Meldungen der Kreditinstitute. Die Bankenverbände grenzen anders ab, ihre Zahlen weichen davon ab.
Quelle: EZB
Hochgerechnete Werte der Bundesagentur für Arbeit. Destatis zählt alle Erwerbstätigen, also auch Beamte und Selbstständige; bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern lag das Plus dort im 2. Quartal 2026 bei 0,1 %.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit und Destatis
Quellen: Destatis, Deutsche Bundesbank, Reuters, Hays und 2 weitere
Deutschland im europäischen Vergleich
In Deutschland arbeiteten 2025 rund 520.000 Menschen bei Kreditinstituten, mehr als in jedem anderen EU-Land. In der EU insgesamt sank die Zahl um 0,80 %, in 16 von 27 Ländern ging sie zurück. Die Zahl der Bankstellen in der EU fiel um 2,62 % auf 122.889.
In der EU sank die Zahl der Bankbeschäftigten 2025 um 0,80 %, in Deutschland stieg sie von 513.700 auf 520.449.
Quelle: EZB
Der deutsche Bankenmarkt ist zersplittert. Die fünf größten Institute halten 35,4 % der Bilanzsumme, der niedrigste Wert unter den neun Ländern der Grafik. Im EU-Schnitt sind es 69,33 %. Viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken prägen das Bild, und sie fusionieren laufend: 2025 fielen 27 Institute durch Fusionen im Genossenschaftssektor weg.
Im EU-Schnitt halten die fünf größten Institute eines Landes 69,33 % der Bilanzsumme.
Quelle: EZB
KI und Stellen in Europa
Eine Analyse von Morgan Stanley, über die die Financial Times berichtete, hält bei europäischen Banken bis 2030 mehr als 200.000 Stellen für gefährdet. Das wären rund 10 % der Belegschaft von 35 großen Banken. Am stärksten betroffen wären Back Office, Risikomanagement und Compliance.
Laut einer Umfrage der europäischen Bankenaufsicht EBA, die die BaFin zitiert, setzten Ende 2024 etwa 40 % der befragten Banken generative KI ein. Im ersten Quartal 2025 waren es schon über 60 %.
In der Schweiz schrumpft der Stellenmarkt der Banken weiter. Die zehn größten Banken schrieben in der letzten Septemberwoche 2026 zusammen 515 Stellen aus. Ein Jahr zuvor lag die Zahl 14 % höher. Im September waren 4.638 frühere Bankangestellte arbeitslos gemeldet.
Quellen: EZB, Deutsche Bundesbank, TechCrunch, BaFin und 1 weitere
Wer Stellen abbaut und wer einstellt
Die großen Häuser bauen ab, Sparkassen und Genossenschaftsbanken stellen ein. In den Sparkassen arbeiteten 2025 insgesamt 199.825 Menschen, 2.531 mehr als Ende 2024. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken stieg die Zahl von 136.900 auf 139.750.
Der Abbau läuft meist ohne Kündigungen. Commerzbank, Ergo und Allianz Partners setzen auf Altersprogramme, Fluktuation und freiwillige Angebote. Deutsche Bank und LBBW wollen den Ruhestand vieler Beschäftigter mit KI auffangen.
Abbau und Umbau je Unternehmen
Die Unternehmen nennen ihre Zahlen für verschiedene Zeiträume und Abgrenzungen, deshalb lassen sie sich nicht addieren. Die Tabelle zeigt Maßnahme, Bereiche, Weg und Stand.
| Unternehmen | Maßnahme | Bereiche und Standorte | Weg | Stand |
|---|---|---|---|---|
| Commerzbank | weitere rund 3.000 Stellen brutto bis 2030, konzernweit; gezielter Aufbau in Wachstums- und Zukunftsfeldern | rund 38.000 Stellen; KI soll rund 10 % der Kapazitäten freisetzen und teils neu einsetzen | Altersprogramme, Fluktuation, Demografie; Transformationsvereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern | angekündigt am 08.05.2026; Unicredit hält fast 50 %, die EU will bis 16.11.2026 entscheiden |
| Deutsche Bank | rund 100 weitere Filialen schließen bis Ende 2026; rund 35 % der Beschäftigten in Deutschland gehen in acht bis neun Jahren in Rente | Privatkunden mit Postbank, Ende 2025 gut 750 Zweigstellen; 2025 fielen 709 Zweigstellen weg | vor allem natürliche Fluktuation; KI soll fast alle Bereiche erreichen, auch den Kundenkontakt; im 2. Quartal 2026 Einsparungen auch beim Personal | Filialplan vom 26.01.2026, Ruhestandszahl vom 23.09.2026 |
| Unicredit mit HypoVereinsbank | Unicredit-Chef Orcel hat nach einer Übernahme der Commerzbank den Abbau von 7.000 Stellen in Deutschland in Aussicht gestellt; Verdi rechnet bei Commerzbank und HypoVereinsbank mit bis zu 15.000 | Commerzbank und HypoVereinsbank | offen | Prüfung der EU-Kommission, Entscheidung bis 16.11.2026 angekündigt |
| LBBW | rechnet damit, frei werdende Stellen in einigen Bereichen nur etwa zur Hälfte nachbesetzen zu müssen | Risikoüberwachung und Operations; dort gehen bis zu 30 % in Rente | Ruhestand, KI für Basisarbeiten, Vorbereitungen und Analysen | Interview vom 13.04.2026 |
| Ergo | etwa 1.000 Stellen bis 2030, rund 200 im Jahr | rund 15.000 Beschäftigte in Deutschland; Verwaltungsstandorte Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Mannheim, München und Nürnberg bleiben; einige Funktionen gehen nach Polen und Indien | Fluktuation, Altersteilzeit, Abfindungen; keine betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2030; rund 500 Plätze zum Umlernen | Vereinbarung mit Verdi vom 18.02.2026 |
| Allianz Partners | 1.500 bis 1.800 Stellen in Europa, in Deutschland etwa 80 bis 100 | vor allem Callcenter der Reise- und Assistance-Sparte | Freiwilligenprogramm | Einigung mit den Betriebsräten, bestätigt am 07.07.2026 |
| Sparkassen | 2.531 Beschäftigte mehr als Ende 2024; KI soll 2026 an jeden der rund 200.000 Arbeitsplätze | 339 Sparkassen; 6.668 Filialen mit Personal | Ausbildung: 60 % aller Auszubildenden der Kreditwirtschaft lernen bei Sparkassen | Bilanz vom 17.03.2026 |
| Volks- und Raiffeisenbanken | 139.750 Beschäftigte Ende 2025, mehr als in jedem Jahr seit 2020 | 646 Banken, 6.813 Bankstellen | Fusionen: 27 Institute fielen 2025 weg | Stand Ende 2025 |
Bei den Großbanken entfiel der Rückgang fast ganz auf die Deutsche Bank mit 709 Zweigstellen; mitgezählt sind die Partnerfilialen der früheren Postbank. Insgesamt sank die Zahl um 1.071 auf 16.799.
Quelle: Deutsche Bundesbank
Die Filialnetze schrumpfen weiter, aber langsamer. Ende 2025 gab es in Deutschland 16.799 Bankzweigstellen, 6 % weniger als ein Jahr zuvor. 2024 betrug der Rückgang 8,4 %. 95 % der Banken im EY-Bankenbarometer erwarten bis 2027 weniger Filialen.
Quellen: Reuters, DSGV, BVR, Deutsche Bundesbank und 9 weitere
Was den Markt verschiebt
Künstliche Intelligenz
KI soll bei den Banken vor allem Kosten senken. Im EY-Bankenbarometer sehen drei von vier Banken das größte Potenzial generativer KI im Back Office, nur 4 % im Kontakt mit Kunden. 62 % rechnen mit weniger Verwaltungsaufwand durch optimierte Personalkosten.
Die Commerzbank hat im ersten Halbjahr 2026 Microsoft Copilot und Google Gemini flächendeckend eingeführt und 10 % ihrer IT-Systeme abgeschaltet. Von 2026 bis 2030 will sie rund 600 Mio. € in KI investieren. Die Sparkassen wollen noch 2026 jeden ihrer rund 200.000 Arbeitsplätze mit einer eigenen KI ausstatten.
Ruhestand der Babyboomer
Bei der Deutschen Bank gehen in acht bis neun Jahren rund 35 % der Beschäftigten in Deutschland in Rente. Die LBBW verliert in einigen Bereichen bis zu 30 % durch Ruhestand. Viele Institute rechnen laut Bloomberg damit, in den nächsten zehn Jahren rund ein Drittel ihrer Belegschaft zu verlieren. 79 % der Banken im EY-Barometer erwarten, die Abgänge durch Neueinstellungen ausgleichen zu können.
Gewinne, Zinsen und Kreditrisiken
Die Banken verdienten 2025 das dritte Jahr in Folge weit über dem langjährigen Schnitt. Der Jahresüberschuss vor Steuern erreichte 52,3 Mrd. €. Die Personalaufwendungen stiegen um 5,7 %, vor allem wegen höherer Löhne und Gehälter.
Im September 2026 hob die EZB ihre Leitzinsen an, den Einlagensatz von 2,25 % auf 2,5 %. Sie verweist auf Inflationsdruck durch den Konflikt im Nahen Osten. Zugleich steigen die Insolvenzen: Von Januar bis Juli 2026 zählten die Amtsgerichte 6,9 % mehr Unternehmensinsolvenzen als ein Jahr zuvor. 93 % der Banken im EY-Barometer erwarten steigende Kreditrisiken.
Regulierung
Seit dem 29. Juli 2026 überwacht die BaFin den Einsatz von KI bei Banken und Versicherern, zunächst Transparenzpflichten, verbotene Praktiken und die KI-Kompetenz der Beschäftigten. Die Regeln für Hochrisiko-KI, etwa bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit oder der Risikobewertung in der Lebens- und Krankenversicherung, gelten nach einer Änderung der EU-Verordnung erst ab 2. Dezember 2027. Vorgesehen war der 2. August 2026.
Als wichtigste Regulierungsthemen nennen die Banken im EY-Barometer Basel III/IV (92 %), die EU-Regeln zur digitalen Betriebsstabilität DORA (89 %) und die EU-Geldwäscheregeln (83 %).
Altersvorsorge
Der Bundestag hat am 27. März 2026 die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Ein Altersvorsorgedepot mit Aktien, Fonds und ETF ersetzt das Riester-Sparen, die Anbieter bekommen einen Kostendeckel. Im EY-Barometer nennen die Banken die Altersvorsorge als neue Ertragsquelle.
Versicherer
Die Versicherer nahmen 2025 6,6 % mehr Beiträge ein, insgesamt 254 Mrd. €. Für 2026 erwartete der GDV im Februar ein Plus von 4,7 %. Er verweist auf die schwache Wirtschaft, die Wachstum und Beschäftigung bremst.
Seit März 2026 verhandeln Verdi und der Arbeitgeberverband der Versicherer über einen Tarifvertrag zur Transformation, in dem es auch um den Einsatz von KI geht. Vorbild ist die Vereinbarung bei Ergo.
Quellen: Commerzbank, EY, DSGV, Reuters und 11 weitere
Beschäftigung und Filialen über die Jahre
Die Beschäftigung bei den Banken steigt nach Jahren des Rückgangs wieder leicht. Laut EZB arbeiteten 2018 538.758 Menschen bei Kreditinstituten in Deutschland, 2023 waren es 508.191 und 2025 dann 520.449.
Bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern insgesamt waren im 2. Quartal 2026 laut Destatis 1.000 Menschen mehr erwerbstätig als ein Jahr zuvor. Die Bundesagentur zählt nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte; ihre Zahl lag im Juli 2026 um 1,1 % über dem Vorjahr.
Genossenschaftsbanken
Die Volks- und Raiffeisenbanken beschäftigten Ende 2025 139.750 Menschen. 2022 waren es mit 134.550 so wenige wie nie seit 2000. Die Zahl der Banken sank von 1.021 im Jahr 2015 auf 646, die Zahl der Bankstellen von 11.668 auf 6.813.
Die Zahl der Genossenschaftsbanken sank im selben Zeitraum von 1.021 auf 646, die Zahl ihrer Bankstellen von 11.668 auf 6.813.
Quelle: BVR
Im Gebiet des Genoverbands, der Banken in 14 Bundesländern vertritt, stieg die Zahl der Mitarbeitenden 2025 um 1.871 auf 62.438. Die Zahl der Bankstellen mit Personal sank von 3.190 auf 3.168.
Institute
Ende 2025 zählte die Bundesbank 1.327 Kreditinstitute, Ende 2022 waren es 1.458. In der Bankenstatistik fielen 2025 45 Institute weg, 27 davon durch Fusionen im Genossenschaftssektor.
Quellen: BVR, Deutsche Bundesbank, EZB, Destatis und 2 weitere
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