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Arbeitsmarkt nach Funktion
Finance / Controlling in KW 42
Konzerne bündeln Buchhaltung und Controlling in Dienstleistungszentren im Ausland, Banken bauen Zentralfunktionen ab, und zwei Drittel der Finanzvorstände erwarten durch KI Stellenabbau in der Finanzfunktion. In Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung fehlen weiter Fachkräfte.
Auf einen Blick
Die Commerzbank plant bis 2030 weitere rund 3.000 Stellen brutto. BMW und Mercedes-Benz bieten Abfindungen für Bereiche außerhalb der Produktion an und nennen keine Zahl für Deutschland.
Quellen: dpa-AFX, Börsen-Zeitung, Lufthansa Group, Commerzbank und 2 weitere
Steuerberatung: 4.855 von 6.911 offenen Stellen. Buchhaltung: 691 von 14.048. Berechnung des IW auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit.
Quelle: IW / KOFA
Quellen: dpa-AFX, Börsen-Zeitung, Deloitte, IW / KOFA und 6 weitere
Wohin Finanzarbeit wandert
Buchhaltung, Kreditoren, Reisekosten und Teile des Controllings erledigen viele Konzerne in eigenen Dienstleistungszentren in Mittel- und Osteuropa und in Indien. In Polen arbeiteten Ende März 2026 rund eine halbe Million Menschen in 2.179 solcher Zentren von 1.303 Unternehmen, 7,8 % der Beschäftigten im polnischen Unternehmenssektor.
Deutschland gehört zu den wichtigsten Exportmärkten der Zentren in Polen, neben den USA, Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich.
Polen rund eine halbe Million, Rumänien über 280.000. In Indien arbeiten 2,36 Millionen Menschen in Global Capability Centers internationaler Konzerne, über alle Funktionen. In Zentren deutscher Unternehmen in Indien arbeiten über 130.000 Menschen.
Quellen: ABSL, Deloitte Rumänien, für ABSL Rumänien, Nasscom und Zinnov und Indisch-Deutsche Handelskammer und ISG
In Rumänien arbeiten in mehr als 1.000 Dienstleistungszentren über 280.000 Menschen. In Indien betreiben internationale Konzerne 2.117 Global Capability Centers mit 2,36 Millionen Beschäftigten über alle Funktionen. Nach einer Studie der Indisch-Deutschen Handelskammer und der Beratung ISG unterhalten dort über 80 deutsche Unternehmen mehr als 150 Einheiten mit über 130.000 Beschäftigten.
Zum Vergleich: USA und Großbritannien
In den USA arbeiteten 2025 1,6 Millionen Menschen als Accountants und Auditors. Das Bureau of Labor Statistics erwartet bis 2035 ein Plus von 5 % und jährlich rund 115.300 offene Stellen, der Medianlohn lag im Mai 2025 bei 83.680 US-Dollar. Der Nachwuchs wächst wieder: Die Zahl der Erstkandidaten für das CPA-Examen erreichte 2025 den höchsten Stand seit 2018, vom Sondereffekt 2023 abgesehen. Im Frühjahr 2026 waren 281.992 Studierende in Rechnungswesen-Studiengängen der Grundstufe (Undergraduate) eingeschrieben, 5,7 % mehr als ein Jahr zuvor.
In Großbritannien und Irland zählten die Berufsverbände 2025 fast 419.000 Mitglieder, 2,5 % mehr als 2024, und über 156.000 Studierende, 0,9 % mehr als im Vorjahr.
Quellen: ABSL, Deloitte Rumänien, für ABSL Rumänien, Nasscom und Zinnov, Indisch-Deutsche Handelskammer und ISG und 3 weitere
Wer den Markt prägt
Wie viele Stellen es in Finance und Controlling gibt, entscheiden in Deutschland vor allem große Konzerne, Banken und Versicherer und die Prüfungsgesellschaften. Die Konzerne verkleinern seit 2024 Verwaltung und Management, bündeln Transaktionsarbeit in Dienstleistungszentren und verlagern einen Teil ins Ausland. Eine eigene Zahl für die Finanzfunktion nennen die wenigsten.
Konzerne
| Unternehmen | Maßnahme | Bereiche und Standorte | Weg | Stand |
|---|---|---|---|---|
| Lufthansa Group | rund 4.000 Stellen weltweit bis 2030, überwiegend in Deutschland | Verwaltungsfunktionen | Digitalisierung und KI; Umsetzung in Abstimmung mit den Gewerkschaften | im Geschäftsbericht 2025 vom 06.03.2026 genannt |
| BASF | Finance und Personal aus den Global Business Services gehen in einen neuen Hub in Indien, Supply-Chain-Services nach Kuala Lumpur | Global Business Services mit rund 8.500 Beschäftigten, davon 2.800 in Berlin und 860 in Ludwigshafen | schrittweise bis Ende 2028 | Planung im Februar 2026 in frühem Stadium; der Konzern hat seit Januar 2024 rund 7.000 Stellen abgebaut |
| Bayer | Managementebenen halbiert, Führungsrollen um zwei Drittel gekürzt | Führungsstruktur im Konzern | neues Betriebsmodell Dynamic Shared Ownership | Einsparziel von 2 Mrd. € laut Jahresergebnis vom 04.03.2026 weiter erwartet |
| Volkswagen | rund 50.000 Stellen konzernweit einschließlich Management; das Management soll um ein Viertel schrumpfen | Konzernstellen, zentrale Funktionen, Entwicklung, Vertrieb | Renteneintritte, Altersteilzeit, Fluktuation | Beschluss des Aufsichtsrats im September 2026 |
| BMW | rund 8.000 Stellen weltweit laut Unternehmenskreisen, von BMW nicht bestätigt | alle Beschäftigten in Deutschland außerhalb der direkten Produktion | Abfindungsprogramm von Oktober 2026 bis Ende 2027, Fluktuation | Programm läuft seit Oktober 2026 |
| Mercedes-Benz | keine Zielzahl | indirekte Bereiche in Deutschland: Verwaltung und Support; rund 108.000 Beschäftigte in Deutschland | Abfindungsangebote, Mercedes-Benz und Beschäftigte müssen zustimmen | zweite Runde startet voraussichtlich im Dezember 2026 |
| Bilfinger | bis zu 1.500 von 31.000 Stellen im Programm Agile | Aufbau einer globalen Shared-Services-Organisation | Rückstellungen von 75 Mio. € | angekündigt im September 2026 |
Banken und Versicherer
| Unternehmen | Maßnahme | Bereiche und Standorte | Weg | Stand |
|---|---|---|---|---|
| Commerzbank | 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027, überwiegend in Deutschland; dazu rund 3.000 weitere Stellen brutto bis 2030, konzernweit | Aufbau bei der polnischen Tochter mBank und an Standorten in Asien | Altersprogramme, natürliche Fluktuation, Demografie; Transformationsvereinbarung mit den Arbeitnehmervertretungen | 39.867 Vollzeitkräfte Ende 2025; zweite Runde im Mai 2026 angekündigt |
| Ergo (Munich Re) | rund 1.000 Stellen in Deutschland bis 2030 | rund 15.000 Beschäftigte in Deutschland; rund 500 Umschulungsplätze | Fluktuation, Altersteilzeit, Abfindungen; keine betriebsbedingten Kündigungen | vereinbart im Februar 2026 |
| Munich Re | rund 10 % der Stellen mit Routineaufgaben gehen ins Ausland | Ziele Indien und Polen | Verlagerung | angekündigt im Januar 2026, keine Stellenzahl |
Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung
Die vier großen Prüfungsgesellschaften setzten 2025 in Deutschland jeweils rund 2,7 bis 3,3 Mrd. € um: PwC 3,26 Mrd. €, Deloitte und KPMG je rund 2,7 Mrd. €, EY 2,66 Mrd. €. Zwei der vier bauten Personal auf: PwC beschäftigte 15.529 Vollzeitäquivalente (2024: 15.230), Deloitte 13.500 (12.672). Bei KPMG ging die Zahl von 14.608 auf 14.148 zurück, bei EY von 10.261 auf 9.974. EY durfte bis März 2026 keine neuen Prüfungsmandate bei Unternehmen von öffentlichem Interesse annehmen.
Die befragten Prüfungsgesellschaften erwarten bis 2030 mehr erfahrene Fachleute und weniger Stellen für Einsteiger und Support. In der Steuerberatung zählt die Kammer 90.336 Berufsangehörige (Steuerberater und Steuerbevollmächtigte), 65,9 % davon selbstständig. 31,7 % sind älter als 60 Jahre, eigene Rechnung aus den Altersklassen.
Quellen: dpa-AFX, Börsen-Zeitung, dpa, Bayer und 11 weitere
Was den Markt verschiebt
KI in der Finanzfunktion
Zwei Drittel der Finanzvorstände in Deutschland erwarten durch KI einen deutlichen Stellenabbau in der Finanzfunktion, 48 % wollen KI-Anwendungen in Finance in den nächsten zwei Jahren breit einsetzen. Befragt hat Deloitte im Frühjahr 2026 164 Finanzvorstände.
Im Alltag ist KI im Rechnungswesen noch selten. Laut KPMG nutzt rund ein Fünftel der Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz KI im Rechnungswesen, ein weiteres Drittel plant es; eingesetzt wird sie vor allem bei Eingangsrechnungen. Unter den Betrieben im Finanz- und Versicherungsbereich nutzt laut IAB die Hälfte generative KI.
Mehr Geld bringt KI-Wissen im Finanzsektor bisher nicht: PwC weist für KI-Kompetenzen in Stellenanzeigen des Finanzsektors eine Lohnprämie von −9 % aus, in den meisten anderen Sektoren über +20 %.
Fristen bis 2028
Mehrere Regeln und Systemwechsel fallen in die Jahre 2026 bis 2028. Sie erzeugen Projektarbeit und automatisieren zugleich Routine.
| Regel oder System | Termin | Was sich ändert | Stand |
|---|---|---|---|
| E-Rechnung | 01.01.2027 und 01.01.2028 | Ausstellungspflicht ab 2027 für Unternehmen mit mehr als 800.000 € Vorjahresumsatz, ab 2028 für alle im inländischen B2B-Geschäft | Empfang seit 2025 Pflicht |
| SAP ECC | Ende 2027 | Ende der Standardwartung; verlängerte Wartung bis Ende 2030 gegen Aufschlag | ECC laut DSAG noch bei 54 % der befragten Anwender im Einsatz; 37 % der ECC-Anwender mit Investitionsplänen wechseln bis Ende 2027 |
| IFRS 18 | Geschäftsjahre ab 01.01.2027 | neue Gliederung und Angaben in Gewinn- und Verlustrechnung und Anhang | von der EU am 13.02.2026 übernommen |
| CSRD nach Omnibus | Umsetzungsfrist 19.03.2027 | Nachhaltigkeitsbericht nur noch ab durchschnittlich 1.000 Beschäftigten und 450 Mio. € Nettoumsatz; laut Rödl rund 90 % weniger Unternehmen | Richtlinie (EU) 2026/470 vom 24.02.2026, im Amtsblatt am 26.02.2026, in Kraft seit 18.03.2026 |
| Globale Mindeststeuer | 30.06.2026 | erster Mindeststeuerbericht für 2024 | Erleichterungen bis Ende 2026 |
| Jahressteuergesetz 2026 | ab 2027 | Zinsen auf Nachzahlungen und Erstattungen steigen von 0,15 auf 0,3 % pro Monat | Entwurf, erste Lesung am 08.10.2026 |
Quellen: Deloitte, KPMG, IAB, PwC Deutschland und 8 weitere
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