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Arbeitsmarkt nach Funktion
Engineering / R&D in KW 42
Die Autoindustrie kürzt ihre Entwicklungsbudgets, Entwicklungsdienstleister bauen Tausende Stellen ab, und so viele Ingenieure und Informatiker sind arbeitslos wie nie seit 2011. Bau, Stromnetze, Elektrotechnik und Rüstung suchen weiter.
Auf einen Blick
Ein Wert über 100 heißt: mehr offene Stellen als Arbeitslose. Ein Jahr zuvor lag der Gesamtwert um 29,9 % höher. Am knappsten sind Ingenieure in Sachsen-Anhalt und Thüringen (246), Sachsen (208) und Bayern (193).
Quelle: IW
- 2. Quartal 2026
120 % heißt: 120 % mehr Anzeigen als Anfang 2015, −83 % heißt 83 % weniger. Gegenüber dem 2. Quartal 2025 verloren Bauingenieure 19 Punkte, Automatisierungsingenieure gewannen 11 Punkte.
Quelle: Hays
Quellen: IW, Hays und Bundesagentur für Arbeit
Deutschland im Vergleich
Deutschland gab 2024 3,17 % seiner Wirtschaftsleistung für Forschung und Entwicklung aus. Absolut sind das die vierthöchsten Ausgaben der Welt. Israel, Südkorea, Japan und die USA investieren gemessen am Bruttoinlandsprodukt mehr, in der EU auch Schweden, Belgien, Österreich und seit 2024 Finnland.
Genaue Werte: Finnland 3,22 %, Deutschland 3,17 %. Für China meldet das Statistikamt für 2025 einen Anteil von 2,8 %. Werte für Israel und die USA sind laut OECD nur eingeschränkt vergleichbar.
Quellen: BMFTR und Staatsrat der Volksrepublik China
Die Unternehmen in Deutschland gaben 2024 92,5 Mrd. € für eigene Forschung und Entwicklung aus, 2,3 % mehr als 2023. Bei 2,2 % Inflation ist das real kaum ein Zuwachs. Für 2025 planten sie ein Plus von 0,3 %. China steigerte seine Ausgaben 2025 um 8,1 % auf 3,93 Billionen Yuan und lag damit bei 2,8 % der Wirtschaftsleistung.
Entwicklung wandert nach Indien
Indische Dienstleister und die Entwicklungszentren internationaler Konzerne setzen mit Engineering und Forschung im Geschäftsjahr 2026 nach Schätzung des Branchenverbands Nasscom 63 Mrd. US-Dollar um. Bis 2030 sollen es mehr als 100 Mrd. sein. Mehr als 80 deutsche Unternehmen betreiben in Indien über 150 eigene Zentren mit mehr als 130.000 Beschäftigten. Die Zahl der Zentren deutscher Mittelständler wuchs in fünf Jahren um 108 %. Laut der Studie übernehmen sie zunehmend Engineering, KI und Produktentwicklung.
Deutsche Entwicklungsdienstleister folgen: EDAG baut seine Standorte in Indien aus, Aumovio streicht Stellen auch in Indien, Rumänien und Serbien. Porsche legt Porsche Engineering und Porsche Digital zusammen, um globale Kompetenz zu niedrigeren Kosten zu nutzen.
Zum Vergleich: USA
In den USA soll die Beschäftigung in Architektur- und Ingenieurberufen von 2025 bis 2035 laut Bureau of Labor Statistics deutlich schneller wachsen als im Durchschnitt aller Berufe. Erwartet werden im Schnitt 174.800 offene Stellen pro Jahr. Der Medianlohn lag im Mai 2025 bei 99.520 US-Dollar.
Quellen: BMFTR, Stifterverband, Staatsrat der Volksrepublik China, Nasscom und 5 weitere
Wer den Markt prägt
Rund 158.000 Vollzeitstellen in Forschung und Entwicklung entfallen auf den Kraftfahrzeugbau, mehr als auf Elektroindustrie und Maschinenbau zusammen. Was Hersteller und Zulieferer in der Entwicklung kürzen, bestimmt deshalb den Markt für Ingenieure. Für 2025 planten die Autohersteller 2,8 % weniger eigene Ausgaben für Forschung und Entwicklung, im ersten Halbjahr 2026 senkten Bosch und ZF ihren Aufwand.
Insgesamt arbeiteten 2024 in der Wirtschaft 554.101 Vollzeitäquivalente in Forschung und Entwicklung. Auf die Autohersteller entfielen 33,9 % der internen Ausgaben.
Quellen: BMFTR und Stifterverband
Hersteller und Zulieferer
| Unternehmen | Maßnahme | Bereiche und Standorte | Weg | Stand |
|---|---|---|---|---|
| Bosch | rund 22.000 Stellen in der Sparte Mobility in Deutschland | Feuerbach 2.500, dazu Schwieberdingen, Waiblingen, Bühl, Homburg | Vorruhestand, Altersteilzeit, Abfindungen; betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2027 ausgeschlossen | F&E-Quote im 1. Halbjahr 2026 8,0 % des Umsatzes, ein Jahr zuvor 8,7 %; 118.932 Beschäftigte in Deutschland, 4.036 weniger als Ende 2025 |
| ZF | Personal in Deutschland sinkt weiter | Konzern, Schwerpunkt Deutschland | Fluktuation, Freiwilligenprogramme | F&E-Aufwand im 1. Halbjahr 2026 rund 7 % niedriger, 1,6 Mrd. €; 47.068 Beschäftigte in Deutschland, Ende 2025 49.210 |
| Volkswagen Konzern | rund 50.000 Stellen weltweit, einschließlich Management | Programm bündelt technische Entwicklung, Beschaffung, Produktion und Verwaltung | Zielgröße 135 Mrd. € für Sachanlagen und Entwicklung 2027 bis 2031 | Beschluss des Aufsichtsrats am 03.09.2026 |
| Cariad (Volkswagen) | rund 1.000 von etwa 4.300 Stellen, laut Unternehmenskreisen | Software für den ganzen Konzern | offen; Investitionen 2027 bis 2031 laut Handelsblatt rund 6,1 Mrd. € niedriger | Oktober 2026, Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern |
| Porsche | 9.000 Stellen; Entwicklungskosten künftiger Baureihen bis zu 20 % niedriger | Zuffenhausen und Entwicklungszentrum Weissach; Porsche Engineering und Porsche Digital werden Porsche Technologies | sozialverträglich, Beschäftigungssicherung bis 2035 | Capital Markets Day am 07.10.2026 |
| BMW | rund 8.000 Stellen weltweit, laut Unternehmenskreisen | Beschäftigte in Deutschland außerhalb der Produktion, darunter Entwicklung | Abfindungsprogramm von Oktober 2026 bis Ende 2027 | BMW bestätigt die Zahl nicht |
| Opel (Stellantis) | rund 650 Stellen | Entwicklungszentrum Rüsselsheim, von 1.650 auf 1.000 Ingenieurinnen und Ingenieure | zusätzliche Abfindungsprogramme denkbar | angekündigt im April 2026; 2017 arbeiteten dort rund 7.000 Entwickler |
| Aumovio | bis zu 4.000 Stellen weltweit, in Deutschland bis in den hohen dreistelligen Bereich | Entwicklungsbereiche; Frankfurt bis zu 220 | Freiwilligenprogramm seit März 2026; F&E-Aufwand 2027 unter 10 % des Umsatzes | angekündigt im Januar 2026 |
Entwicklungsdienstleister
Die Hersteller vergeben weniger Entwicklungsaufträge nach außen. Die Autoindustrie senkte ihre Ausgaben für externe Forschung und Entwicklung 2024 um 3,3 % auf 17,7 Mrd. €, zum ersten Mal seit zehn Jahren. Das trifft die Dienstleister, die für Hersteller und Zulieferer entwickeln.
- vorher
- nachher oder Ziel
Bertrandt: 30.06.2025 und 30.06.2026. IAV: heute und Ziel Ende 2027. Opel: April 2026 und Ziel. EDAG beschäftigte Ende 2025 weltweit 8.303 Menschen, rund 800 weniger als ein Jahr zuvor.
Quellen: Bertrandt, WirtschaftsWoche, hessenschau und EDAG
| Unternehmen | Maßnahme | Bereiche und Standorte | Weg | Stand |
|---|---|---|---|---|
| IAV | Belegschaft in Deutschland von 5.000 auf 2.970 | alle deutschen Standorte bleiben, darunter Berlin und Gifhorn | Freiwilligenprogramme; betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2028 ausgeschlossen | Zukunftstarifvertrag im August 2026, Abbau bis Ende 2027 |
| Bertrandt | 11.537 Beschäftigte, ein Jahr zuvor 12.672 | Schwerpunkt Deutschland; Wachstum in Luftfahrt und Verteidigung | Programm Fit for Future, jährliche Einsparung über 120 Mio. € | Auftragseingang deutlich über Vorjahr (Stand 30.06.2026) |
| EDAG | 8.303 Beschäftigte Ende 2025, rund 800 weniger | Ausbau der Standorte in Indien | Umbaukosten 2025 rund 30 Mio. €, Einsparung rund 90 Mio. € pro Jahr | Umsatz 2025 714,0 Mio. €, 13 % weniger; Industrie und Verteidigung plus 21 % auf rund 100 Mio. € |
Quellen: dpa, hessenschau, BMFTR, Stifterverband und 8 weitere
Was den Markt verschiebt
Weniger Geld für Entwicklung im Auto
Hersteller und Zulieferer kürzen ihre Ausgaben für Entwicklung. Bosch senkte seine F&E-Quote im ersten Halbjahr 2026 von 8,7 auf 8,0 % des Umsatzes. Aumovio will 2027 unter 10 % kommen. Porsche erwartet nach dem Höchststand 2026 deutlich niedrigere Ausgaben für Forschung und Entwicklung, BMW nach der Neuen Klasse ebenfalls.
Die Arbeit wandert zudem in Länder mit niedrigeren Kosten und zu Partnern. Opel soll künftige Elektro-SUV laut Medienberichten zu großen Teilen bei der chinesischen Stellantis-Beteiligung Leapmotor entwickeln lassen. Der Konzern bestätigt nur Verhandlungen.
KI in der Entwicklung
In einer weltweiten Befragung von 1.500 Führungskräften durch Capgemini erwarten über 75 % von KI schnellere Entwicklung und Kostensenkungen von 20 bis 50 %. 84 % wollen mehr in KI investieren. Nur 15 % glauben, dass KI die Kreativität und Problemlösung von Ingenieuren ersetzen kann. EDAG setzt zunehmend KI-gestützte Werkzeuge ein, um Entwicklungszeiten zu verkürzen.
Rüstung, Netze und Infrastruktur
Der Bund plant für Verteidigung 2027 rund 109,8 Mrd. € im Einzelplan des Verteidigungsministeriums, 2030 sollen es 183,7 Mrd. € sein. Für Infrastruktur und Klimaneutralität stehen 500 Mrd. € Sondervermögen über zwölf Jahre bereit; 2026 will der Bund mehr als 120 Mrd. € investieren. Amprion allein will bis 2030 rund 42 Mrd. € in das Übertragungsnetz stecken.
Die Industrie öffnet sich für Verteidigung. Laut einer Befragung für die Expertenkommission Forschung und Innovation bieten 15,9 % der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe schon Produkte für Sicherheit und Verteidigung an, weitere 6,1 % planen den Einstieg.
Termine
| Regel oder Ereignis | Termin | Was sich ändert | Stand |
|---|---|---|---|
| Tarifrunde Metall und Elektro | Friedenspflicht endet am 31.10.2026 | IG Metall fordert 5 % mehr Geld, Sicherung von Arbeitsplätzen und eine Gewinnbeteiligung; betrifft über 3,7 Mio. Beschäftigte | Verhandlungen seit 07.10.2026 |
| Cyber Resilience Act | seit 11.09.2026 und ab 11.12.2027 | Hersteller vernetzter Produkte melden ausgenutzte Schwachstellen; ab Dezember 2027 müssen neue Produkte alle Vorgaben erfüllen | Meldepflicht in Kraft |
| EU-Maschinenverordnung | 20.01.2027 | ersetzt die Maschinenrichtlinie; Nachweise zur Cybersicherheit in den technischen Unterlagen | gilt unmittelbar in allen EU-Staaten |
| Sondervermögen Bundeswehr | Ende 2027 | Mittel sind nach derzeitiger Planung verbraucht; danach steigt der Verteidigungsetat auf 153,9 Mrd. € 2028 | Finanzplan vom August 2026 |
Quellen: hessenschau, Bosch, Porsche, dpa-AFX und 9 weitere
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